Drink mit Aussicht: Die Kunst, sich in Bars weltläufig zu betrinken

Drink mit Aussicht: Die Kunst, sich in Bars weltläufig zu betrinkenTamburello Magazin - Lifestyle-Männermagazin Lifestylemagazin für den Mann

Wer glaubt, dass eine Bar einfach nur ein Alkohol-Ausschank mit überteuertem Barhocker ist, der hält vermutlich auch den Berliner Fernsehturm für einen Sendemast. Ein Abend in einer dieser viel besprochenen Hochglanz-Bars ist heute weniger Jagd nach einem guten Drink und mehr die Suche nach dem perfekten Instagram-Moment. Was zählt der Aperol noch, wenn er kein Sonnenlicht auf 400 Metern Höhe bricht?

Sky is (not) the Limit: Vom Rooftop in die Sphären globalen Trinkens

Sydney, Bangkok, New York – es gibt inzwischen mehr Skybars als Wolkenkratzer. Die Menükarte? Ach, die ist doch längst nebensächlich, Hauptsache man kann sein Getränk vor dem Lichtermeer der Stadt in die Kamera halten. Die „Ozone Bar“ in Hongkong behauptet zum Beispiel frech, die höchste Bar der Welt zu sein, als könnte man die Höhe irgendwann noch schmecken. Tatsächlich schmeckt man dort vor allem den standesgemäßen Preisaufschlag, dafür gibt’s als Bonus den Smog gratis in die Lunge, wow!

Motto-Bars – Endlich mal wieder sinnlos verkleiden

Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht? Motto-Bars sind die perfekte Gelegenheit für chronische Kostümverweigerer, endlich einmal als Pirat, Sherlock Holmes oder Flamingo-Cowboy zu trinken. Die „Icebar“ in Stockholm – Sie ahnen es – ist wirklich aus Eis. Drinnen friert man so sehr, dass selbst der Gin Tonic nach Lebenswärme schmeckt. Aber Hauptsache, das Foto mit Eisskulptur bringt Likes.

Casino-Bars – Zwischen Jetons und Cocktails, irgendwo im Nirgendwo

Las Vegas. Monte Carlo. Macao. Wer trinkt, verliert – und wer nicht verliert, hat noch nicht genug getrunken. In den Casino-Bars fühlt man sich mit dem Gratis-Champagner wahlweise wie James Bond oder wie seine Großtante beim Kaffeekränzchen – je nach Glückssträhne. Die „SkyBar“ im Waldorf Astoria Las Vegas verteilt großzügig den Blick über den Strip, bis einen irgendwann das Klingeln der Spielautomaten wieder aus den Ambitionen, sich zu betrinken, reißt.

Prämiert – weil irgendeiner immer ausgezeichnet werden muss

Sieger-Bars, Preisträger-Bars, die „World’s 50 Best Bars“… Überall Pokale, Medaillen, Urkunden. Was heute „Bar des Jahres“ ist, ist morgen schon out – aber die „American Bar“ im Londoner Savoy Hotel gewinnt konsequent etwa jeden Preis, für den es einen Stempel gibt. Das Interieur: so britisch, dass selbst Charles sich wohler fühlen würde als in Windsor. Und die Preise? So galaktisch, dass man sich lieber gleich einen Bausparvertrag für den nächsten Drink ausstellen lässt.

Urlaubsdrink, aber sowas von

Wer jemals in einer Hotelbar in den Alpen einen Jägertee für 14 Euro geschlürft hat, weiß: Hier wird Entschleunigung groß geschrieben – und zwar auf der Rechnung. Die „MooserWirt“ in St. Anton ist wahrscheinlich die legendärste Après-Ski-Bar der Welt. Dort feiern Sie den Skitag zwischen durchnässter Skijacke, Helene Fischer und Skiwasser mit Doppelkornfill-up. Der Promille-Höhenflug ist garantiert, Skitalent nicht unbedingt.

Boulevard der Erwartungen: Bars in den Medien

Natürlich gibt es Bars, die aus jedem noch so harmlosen Pressetermin einen Medienhype stricken. Die „Bar Luce“ in Mailand, entworfen von Wes Anderson, ist seit Eröffnung ein Magnet für designaffine Großstadtflaneure mit üppigem Kaffeebudget. Nach jedem Espresso fragt man sich: War das jetzt ein Erlebnis oder einfach eine Stunde Wartezeit mit Vintage-Stuhl als Instagram-Trophäe?

Global exzentrisch: Die Welt will narrativ trinken

Seien wir ehrlich – die Zeit, in der der Bartender einem Whisky noch mit ernster Miene kredenzte und statt Selfie-Stick ein echtes Gespräch servierte, ist legendärer, als es je eine Barkarte sein könnte. Heute geht es um Storytelling, Signature Drinks und das feine Gefühl, Teil eines Erlebnisses zu sein, das später mindestens einen Hashtag verdient.

Vielleicht ist es ja genauso eine große Kunst, im Dschungel der globalen Barszene nicht nur mit einem Kater, sondern auch mit einer Anekdote mehr aufzuwachen. Und während sich auf den Rooftops die Handys zum kollektiven Skyline-Selfie erheben, bleibt nur zu hoffen: Irgendwo serviert jemand noch einen ehrlichen Drink – ohne Filter, ohne Motto, aber mit echter Barseele.

   

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