The Florida Game: Jai Alai

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Zuschauer der 80er-Jahre-Serie Miami Vice by Michael Mann können sich vielleicht noch an die kurzen Bilder im Vorspann der Serie erinnern. Die Rede ist von Jai Alai. Ein Spiel, dass im US-Bundesstaat Florida extrem beliebt ist und viel gefährlicher ist, als es aussieht. Denn die Bälle fliegen mit einer wahnsinnigen Geschwindigkeit haarscharf am Kopf des Spielers vorbei, wo es früher auch schon zu argen Verletzungen und sogar Toten kam

Das Spiel Jai Alai ist eine Sportart aus dem spanischen Baskenland, die vor mehr als einem Jahrhundert erstmals in die USA importiert wurde. Wenige kennen Jai Alai, und wenn überhaupt aus dem Vorspann der Krimiserie mit Don Johnson. So vermuten diejenigen, die die Sportart kennen, den Ursprung oft in Kuba. Auf das Baskenland kommen die wenigstens. Aber so ganz unrecht hat man mit Kuba nun auch wieder nicht. Denn auf seinem Weg vom Baskenland in die USA war Kuba wirklich die letzte Station, bevor kubanische Einwanderer das Spiel dann in die USA, speziell nach Florida brachten.

Ganz genau brachte der spanische Konquistador Hernán Cortés das Ballspiel, bei dem es ursprünglich um Leben und Tod ging, 1528 nach seinem Sieg über die Azteken nach Spanien. Nach Abwandlung der Spielregeln wurde es zu einem humaneren Spiel und unter dem Namen “Pelota” zum Nationalsport. Im Laufe der Zeit entwickelten sich drei Varianten des Spiels: Eine mit Holzschläger, eine mit der bloßen Hand und eine mit dem Spitzkorb. Letztere kam dann 1898 durch baskische Einwanderer nach Kuba. Den baskischen Namen “Jai Alai”, was soviel wie “Fröhliches Fest” bedeutet, bekam das Spiel, weil es hauptsächlich an Sonntagen und Feiertagen gegen Kirchenwände gespielt wurde.

In Florida gehört Jai-Alai zu den Profisportarten, auf die auch gewettet wird; als Alternative zu Pferderennen und Hunderennen. Mittlerweile ist Jai Alai nicht mehr ganz so populär, wie es einst war. Heute sieht man nur noch wenige Zuschauer bei Spielen, wobei früher die Zuschauertribünen voll waren.

Sinn und Ziel des Spiels ist simpel und beruht auf dem Werfen des Balles gegen die Wand, wobei der zurückspringende Ball nur einmal den Boden berühren darf, bevor er vom gegnerischen Spieler gefangen werden muss und seinerseits wieder gegen die Wand gespielt wird. Im Großen und Ganzen wie unser Squash. Ein sehr schnelles und dynamisches Spiel, wo auch der Zuschauer ein schnelles Auge für eine schnelle Bildsequenzverfolgung braucht.

Jai Alai ähnelt dem Racquetball, aber statt mit Schlägern spielt man es mit gebogenen Körben, die fest an den Händen der Spieler festgeschnallt sind und so den Arm, als Wurfarm und Fangarm, verlängern. Und wenn wir Körbe sagen, meinen wir auch Körbe. Echte geflochtene Korbwaren sind die Cesta Punta, wie das Spielgerät auf spanisch heißt, oder Xistera auf baskisch und schlicht und einfach “Spitzkorb” bedeutet. Sie ermöglicht die enorme Beschleunigung des Balles. Für die Profispieler fertigen spezialisierte Handwerker mit großer Handwerkskunst die Cestes aus geflochtenem Schilf und dem Holz spanischer Kastanien, Leder kommt ebenfalls zum Einsatz. Schaut man sich den Spitzkorb genauer an, erkennt man sogar ein wenig Ähnlichkeit oder zumindest Verwandtschaft zum Wurf- und Fanghandschuh beim us-amerikanischen Baseball.

Der Ball ist ein tennisballgroßer, früher mit Wolle heute mit Nylon umwickelter und mit Ziegenleder bezogener und 130g schwerer Vollgummiball. Auf spanisch heisst er Pelota; auf baskisch Pilota. Er ähnelt mit seinen groben Nähten dem Baseball. Die Bälle lassen sich nur in Handarbeit herstellen und sind entsprechend teuer und kosten bis zu 200 Dollar. Noch teurer werden sie, wenn man bedenkt, dass sie nur 15 bis 20 Minuten spielbar sind, bevor sie repariert werden müssen. Grund hierfür ist die enorme Geschwindigkeit, mit der die Bälle gegen die Granitoberfläche der Betonmauer eher geschleudert als geworfen werden. Im Guinness-Buch der Rekorde steht eine Höchstgeschwindigkeit aus 1979 von knapp über 300 Stundenkilometern.

Jai Alai spielt man in einem Frontón, eine längliche (46m) und schmale (10m) Wettkampfhalle. An der langen, in Spielrichtung linken Seite des Frontón befindet sich das betonierte Spielfeld, die La Cancha. Am rechten Spielfeldrand ist die Out-of-Bounds-Zone, im Spanischen auch Contracancha genannt, in der der Ball gefangen und geworfen werden kann, dort aber nicht auftreffen darf. Dahinter befinden sich die Zuschauer, die ein Stahlnetz davor schützt einen Ball versehentlich abzubekommen. Die drei Seitenwände sind die “Frontis”, die vordere Spielwand, die “Lateral”, die Seitenwand, und die “Rebote”, die Rückwand; sie begrenzen das Spielfeld. Weil immer direkt auf Frontis gespielt wird, ist diese wie die anderen beiden Wände aus Beton, sondern zusätzlich an der Oberfläche noch mit Granitblöcken verstärkt.

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