
Wer Billard liebt, sollte Carrom kennenlernen – ein faszinierendes Geschicklichkeitsspiel mit tiefen historischen Wurzeln und internationalen Anklängen. Während Billard gemeinhin als französische oder britische Erfindung betrachtet wird, liegt sein Ursprung tatsächlich in einem uralten indischen Spiel mit dem Namen Carrom. Bis heute erfreut sich Carrom nicht nur in Südostasien großer Beliebtheit, sondern zieht auch in Europa und Nordamerika immer mehr Anhänger in seinen Bann.
Die Ursprünge von Carrom
Wann und wo genau Carrom entstand, ist bis heute nicht zweifelsfrei geklärt. Überliefert ist jedoch, dass indische Maharadschas maßgeblich zur Entwicklung dieses Spiels beigetragen haben sollen. Nach historischen Quellen wurde das Carrom-Brettspiel von den britischen Kolonialherren entdeckt und nach Europa mitgebracht, wo es später als Inspirationsquelle für verschiedene Billardvarianten diente. In der Schweiz kennt man es unter der Bezeichnung „Carambole“, wobei es hierzulande gelegentlich auch als Fingerbillard bezeichnet wird.
Das Spielbrett und die Ausrüstung
Das Carrom-Brett besteht üblicherweise aus hochwertigem, furniertem Holz und misst 74 x 74 cm. Die Spielfläche ist quadratisch und mit einer feinkörnigen Pulver-Schicht bestreut, die für ein leichtes Gleiten der Steine sorgt. Gespielt wird mit 18 flachen Holzsteinen – 9 in Weiß, 9 in Schwarz – sowie einer auffallenden roten Scheibe, der sogenannten „Queen“. Die Spielsteine erinnern optisch ein wenig an die beim Mühlespiel verwendeten Steine, sind jedoch speziell auf die Dynamik des Carroms abgestimmt. Der zentrale Spielstein, „Striker“ genannt, ist etwas schwerer (zwischen 12 und 15 Gramm) und dient als Abschussstein.
Die Spielregeln im Überblick
Carrom kann von zwei oder vier Spielern gespielt werden. Ziel ist es, mit dem Striker alle Steine der eigenen Farbe in die in den Ecken des Brettes eingelassenen Löcher zu versenken. Der Spieler legt den Striker auf die Grundlinie seines eigenen Viertels und schnippt ihn mit den Fingern präzise in Richtung der Spielsteine. Dabei darf sowohl auf eigene als auch gegnerische Steine gezielt werden. Wer erfolgreich einen eigenen Stein versenkt, darf weiterspielen, andernfalls ist der Gegner am Zug.
Der rote Stein, die Queen, bringt zusätzliche Punkte – vorausgesetzt, sie wird korrekt eingelocht und im direkten Anschluss ein eigener Stein versenkt. Sieger eines Spiels ist, wer zuerst 25 Punkte erreicht oder nach acht Spielrunden (Boards) die höchste Punktzahl aufweisen kann.
Tradition und Popularität
Carrom ist tief im Alltag auf dem indischen Subkontinent verwurzelt. Auf den Straßen und in den Dörfern Indiens, Pakistans, Sri Lankas, Bangladeschs und Nepals sieht man häufig Gruppen von Menschen, die sich beim Spiel messen – so wie es in Frankreich mit Boule oder in Italien mit Boccia üblich ist. Bereits seit 1924 werden in Indien offizielle Meisterschaften ausgetragen, und seit 1956 finden internationale Turniere statt. Seit den 1980er Jahren wächst das Interesse an Carrom auch in Europa und Nordamerika stetig.
Carrom in Deutschland und Europa
Mittlerweile gibt es in Deutschland, Belgien, Frankreich, Großbritannien, Italien, den Niederlanden, Österreich, Polen, Portugal, Schweiz, Spanien und Tschechien Carrom-Verbände und regelmäßige Wettkämpfe. In Deutschland finden sogar regionale Meisterschaften statt. Besonders hervorzuheben ist der Deutsche Carrom Verband (DCV), der mehrere Carrom-Vereine im ganzen Land organisiert. Ein Meilenstein in der Verbreitung des Spiels war die Austragung der Europameisterschaft 1998 in Berlin, die zahlreiche europäische Spieler zusammenbrachte.
Carrom als Geschenkidee
Wer auf der Suche nach einem ausgefallenen Geschenk ist, für jemanden, der schon alles zu besitzen scheint, für den ist ein Carrom-Brett eine exklusive und originelle Alternative. Aufgrund seiner Kombination aus Taktik, Geschick und sozialem Miteinander bringt es Freunde und Familie zusammen und sorgt für stundenlangen Spielspaß. Das klassische Design und die handwerkliche Qualität vieler Carrom-Bretter machen sie darüber hinaus zu echten Hinguckern im Wohnambiente.
Carrom ist weit mehr als nur ein Spiel – es ist ein verbindendes Kulturgut, das Länder und Generationen übergreift. Ob als sportlicher Wettkampf, Freizeitvergnügen oder kreatives Geschenk: Das „Fingerbillard“ begeistert Jung und Alt gleichermaßen und bringt einen Hauch indischer Lebensfreude in jeden Haushalt. Vielleicht wird Carrom auch bei Ihnen bald zum neuen Lieblingsspiel, das Freunde und Familie an einen Tisch bringt.
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