Razzmatazz Barcelona – 5 Floors, 1 Nacht

Razzmatazz Barcelona – 5 Floors, 1 Nacht

Sollte es in Barcelona je eine Institution geben, die mehr Stockwerke als Skrupel besitzt, dann ist es wohl das Razzmatazz. Fünf Ebenen, die sich dem nächtlichen Exzess verschrieben haben – für alle, die sich nicht mit weniger als dem Maximum zufriedengeben, selbst wenn sie sich schon nach einem Gin Tonic fragen, auf welcher Etage sie gerade eigentlich schwanken. Willkommen in der wohl umfangreichsten Club-Experience Europas, wo man die Wahl zwischen Electro, Indie, Pop oder Live Acts hat und sich spätestens um halb vier fragt, ob man jetzt wirklich schon alle Floors gesehen oder einfach im Kreis gelaufen ist.

Ein Bauwerk des Hedonismus: Fünf Floors sind besser als einer

Wer das Razzmatazz betritt, bekommt gleich zu Beginn die katalanische Quintessenz serviert: warum eine Musikrichtung feiern, wenn man einfach fünf gleichzeitig hören kann? Im angenehm-industriellen Charme des ehemaligen Fabrikgebäudes schlurft eine Crowd, die so vielfältig ist wie die Getränkekarte – Hipster mit Vokuhila neben Techno-Kids im Moschino-Oversize, eingerahmt von Indie-Liebhabern mit fragwürdigen Lederjacken. Egal, ob man lieber zu Electro an den Maschinen tanzt oder im Pop-Raum Karaoke-Gesänge aushält – langweilig bleibt es hier garantiert niemandem.

Die Qual der Wahl oder: Wo ist eigentlich die Toilette?

Auch praktisch betrachtet ist das Razzmatazz eine Herausforderung an Körper und Geist: Wer die Toilette sucht, entdeckt gern erst einmal den Drum’n’Bass-Floor und einen Nebenraum, in dem angeblich David Bowie gezecht haben soll – Legenden prügeln sich hier in jeder Ecke. Richtig spannend wird es, wenn plötzlich der Lieblings-DJ im kleinsten Nebenraum auflegt – der mit Glück immerhin Platz für drei Leute bietet. Willkommen beim Survival-Training der Großstadt-Nächte.

Das musikalische Buffet: Für jeden Ohrenschmaus was dabei

Razzmatazz ist nichts weniger als ein All-You-Can-Listen. Von fetten Electro-Sets, wie sie sonst nur auf Open-Airs pumpen, bis zu überraschend intimen Indie-Gigs und abgedrehten Live Acts, bei denen selbst eingefleischte Musikjournalisten kapitulieren. Alles ist möglich, nichts ist Pflicht, und so erlebt man in einer einzigen Nacht das Gefühl, auf vier unterschiedlichen Partys gewesen zu sein – ohne das lästige Taxifahren dazwischen.

Bühne frei für die Legenden und one-hit-wonder

Dass bekannte DJs und internationale Bands hier regelmäßig für Furore sorgen, versteht sich von selbst. Aber auch der Local Act im Keller, der gerade mal 73 Instagram-Follower hat, bekommt sein Spotlight – was sich spätestens nach dem dritten Drink genauso wichtig anfühlt wie ein Headliner auf dem Primavera Sound. Versprochen, man kehrt am Ende der Nacht mit einer Spotify-Playlist zurück, die verstörender ist als das morgendliche Spiegelbild.

Publikum: Der mitternächtliche Mikrokosmos

Das schönste jedoch ist das hochdiverse Publikum. Vom Austauschstudent im Erasmus-Dämmerzustand bis hin zum lokalen Nachtleben-Veteran, alle pilgern ins Razzmatazz, um sich gegenseitig musikalisch und stilistisch zu schocken. In der Schlange zum Einlass wird um die schiefste Sonnenbrille und das stylischste Vintage-Shirt gebattelt, und spätestens auf Floor 5 verschmelzen alle Unterschiede in gemeinsamen Extase-Tänzen.

Dresscode: Alles außer Understatement

Modische Experimente sind ausdrücklich erwünscht. Wer im schlichten schwarzen T-Shirt kommt, ist schon beinahe overdressed. Hier treffen Plateaustiefel auf Crocs, neonfarbene Bomberjacken auf Omas Strickpulli – und keiner verzieht eine Miene, weil alle längst wissen: Im Razzmatazz ist Normalsein das einzig Peinliche.

Die Nacht danach: Erinnerungen und Realitäten

Hat man dann das kunstvolle Labyrinth des Razzmatazz irgendwann nach Sonnenaufgang verlassen, bleibt das Gefühl, Teil eines soziokulturellen Experiments gewesen zu sein. Fünf Floors voller Musik, Wahnsinn und anarchischer Freude – ein Muss für jeden Nachtschwärmer, der keine Angst hat, sich zu verlieren. Und wer weiß, vielleicht war ja tatsächlich David Bowie dort, zumindest in Geist und Glamour. Für den Rest des Tages darf man dann getrost alles verschlafen – und träumt garantiert von neuen Floors, die es noch zu entdecken gilt. Wer sich ernsthaft für Clubbing interessiert, darf um das Razzmatazz keinen Bogen machen. Vielmehr lautet die Devise: mittendrin statt nur dabei!

   

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