
Es gibt Dynamiken unter Frauen, die in den Lehrbüchern der Soziologie als „Stutenbissigkeit“ durchgehen – eine subtil-raffinierte, mit allen Wassern gewaschene Art der Konkurrenz, bei der „under cover“ zur olympiareifen Disziplin wird. Während Männer bei Unstimmigkeiten gern zur offenen Konfrontation à la „Wer sprintet schneller?“ greifen, etwa wie die antike Gladiatorenarena in gut sitzenden Anzügen, ist bei Frauen die Sache natürlich deutlich komplexer und – zugegeben – auch amüsanter zu beobachten.
Archäologische Funde: Stutenbissigkeit im 21. Jahrhundert
Der Begriff stammt aus der Ethologie und beschreibt, wie Stuten sich innerhalb der Herde ordentlich einen auswischen. Doch warum hat sich dieser tierische Begriff eingängig im modernen Miteinander unter Frauen etabliert? Vielleicht, weil es so herrlich archaisch klingt, als ob wir alle in aufwendigen Pferdeschwänzen (ha!) auf dem Büroflur auf und ab traben. Die Sache ist nur: Niemand will ertappt werden, geschweige denn zugeben, dass sie gerade der Kollegin das Wasser reichlich trübt. Anstand, Sozialcharakter, Regel des Nicht-Verletzens – alles Faktoren, die einen offenen Streit unmöglich machen. Was haben wir also? Genau: Die hohe Kunst der Hintertürmanöver und Seitenhiebe, natürlich stets mit dem inbrünstigen Wunsch, zu den „Guten“ zu gehören.
Aus dem Nähkästchen: Wie Stutenbissigkeit gelebt wird
Wenn Frauen gegen Frauen antreten, wird nicht einfach das bessere Projekt abgeliefert. Nein, das wäre ja zu einfach – und vermutlich zu wenig emotional nervenaufreibend. Stattdessen wird gestichelt, gemobbt, gelästert, weggeschwiegen oder so herrlich passiv-aggressiv über den Flur geblickt, dass selbst ein Eiskunstläufer ins Schwitzen käme. Gute Ideen? Werden entweder prompt geklaut oder zumindest als Plagiat der Konkurrenz verdächtigt. Wer sich in der Gruppe zu weit aus dem Fenster lehnt, bekommt plötzlich einen kräftigen Schubs – raus aus dem Club der Frauensolidarität!
Kompetenz trifft Attraktivität – und beide stehen im Ring
Das Geheimrezept der Stutenbissigkeit: Man kämpft nicht auf nur einer Ebene. Es geht nicht nur um Kompetenz, sondern auch um die Frage: Wer sieht besser aus? Das macht schon die Morgenroutine zum Hochrisikosport. Und ja, es soll sogar bei hochintelligenten Frauen vorkommen, dass sich der Vergleich nicht nur auf Lebensläufe erstreckt, sondern auch auf Faltencremes und Schuhwahl. Wer glaubt, dass Solidarität das höchste feministische Gut ist, hat offensichtlich noch kein Sommerfest mit weiblichem Chefinnen-Duo erlebt.
Opfer und Täterinnen: Die große Verwirrung
Erstaunlich ist, dass sich die Akteurinnen selbst oft als Opfer wahrnehmen. Da geht ein breites Solidaritäts-Bekenntnis durchs Großraumbüro, während hinter verschlossenen Türen der Flurfunk brodelt. Und warum? Weil jeder noch so kleine Erfolg der anderen Frau scheinbar gleichbedeutend ist mit dem eigenen Untergang. Es scheint, als würden manche mit angezogener Handbremse durchs Leben gehen und glauben, ohnehin auf ewig auf Reserve zu fahren.
Die geheime Allianz: Wie Nebenkriegsschauplätze eröffnet werden
Jede Intrige braucht Verbündete, am besten solche, die über die nötigen Seilschaften verfügen. Je einflussreicher, desto besser. So wird das Theaterstück gekonnt inszeniert – möglichst viele sollen davon erfahren, möglichst viele sollen Partei ergreifen. Angenehmer Nebeneffekt: Am Ende weiß keiner mehr, worum es eigentlich ging, Hauptsache, die Konkurrenz ist diskreditiert, und die eigene Stellung glänzt (zumindest für zwei Minuten) wie frisch lackiert.
Tipps für die Gebissene: Wenn du betroffen bist…
Herzlichen Glückwunsch, Verleihung des Goldenen Neidschleifchens! Denn, wie schon Oma wusste: Mitleid bekommt man geschenkt, Neid muss man sich hart erarbeiten. Doch wie damit umgehen? Der Strategie-Crashkurs: Offen die vermutete Stutenbissigkeit ansprechen – mutig, klar, aber möglichst ohne sich selbst als Skandalnudel zu outen. Es hilft enorm, bei sich selbst zu bleiben und nicht gleich mit Anschuldigungen zu bombardieren. Und: Gönn dir ein bisschen mehr Entspannung – Yoga hilft, falls dir der Sinn nicht gerade nach Boxtraining steht.
Tipps für die Gebissene, die beißt: Wenn du merkst, dass du selbst zur Hauptdarstellerin wirst…
Nur keine Panik – du bist ein Energiepaket, nutzt deine Power aber bisher zu destruktiven Zwecken. Konstruktiv geht auch: Erkenne erst einmal ehrlich das Problem an, lass alle unschönen Gefühle zu (Achtung, das kann ungewohnt werden!), dann gewinne Abstand. Lerne den Charme offener Konfrontation schätzen – manchmal unvermeidlich, aber selten tödlich. Belohne dich für deine Leistungen und durchschau Erwartungen von außen, die eigentlich kein Mensch erfüllen will. Und vor allem: Versuche nicht, die andere Frau platt zu machen, sondern ihre Energie für dich nutzbar zu machen, statt sie zu blockieren. Kreative Konkurrenz kann sogar Spaß machen – sofern man Spaß daran hat, die eigenen Schattenseiten kennenzulernen.
Versteckte Power: Was wäre, wenn Stutenbissigkeit anders genutzt würde?
Stell dir vor, Frauen würden aufhören, sich gegenseitig zu behindern, und stattdessen ein kluges Netzwerk aufbauen, bei dem Power, Sensibilität und strategische Raffinesse Hand in Hand gehen. Kein peinliches Verschleppen von Konflikten mehr, kein passiv-aggressiver Blick – einfach mal klar entscheiden, die Zügel selbst in die Hand nehmen! Sportlichkeit, Fairness und emotionale Intelligenz könnten sich endlich zusammentun, statt im Guerilla-Kampf des Alltags verloren zu gehen.
Vielleicht ist das größte Geschenk an uns Frauen, die unendlich kreative Energie aus der Spielart der Stutenbissigkeit herauszuziehen und auf die wirklich wichtigen Herausforderungen zu richten. Die Kunst liegt wohl nicht darin, das Spiel zu verweigern, sondern die Regeln gelegentlich zu ändern. Wer weiß, wohin ein bisschen mehr Ehrlichkeit – und vielleicht auch ein Augenzwinkern – führen könnten?
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