
Kaum ein Erfrischungsgetränk ist so eng mit der russischen und osteuropäischen Kultur verbunden wie Kwass. Für viele, die einmal Russland, die Ukraine oder das Baltikum besucht haben, gehört ein Glas kühler Kwass zu den unvergesslichen Erfahrungen – sei es direkt aus dem Fass auf der Straße, im traditionellen Badehaus oder als willkommene Erfrischung an heißen Sommertagen.
Was ist Kwass eigentlich?
Kwass ist ein traditionelles, fermentiertes Getränk, dessen Basis meist aus altbackenem Roggenbrot besteht. In Russland und den Nachbarländern ist Kwass bereits seit Jahrhunderten ein beliebtes Alltagsgetränk. Schon allein der Name klingt für viele nach Ursprünglichkeit und Bodenständigkeit – und tatsächlich hat Kwass eine lange Geschichte: Als alkoholarme Alternative zu Bier war das Getränk im Mittelalter sogar das tägliche Getränk am Hof der Zaren.
Herstellung: Von der Brotscheibe zum prickelnden Getränk
Der Schlüssel zum typisch malzigen Geschmack von Kwass liegt im verwendeten Roggenbrot. Geröstete Scheiben (oder Roggenmehl bzw. Malz) werden in Wasser eingeweicht. Nach Zugabe von Zucker und Hefe setzt die Fermentation ein, die in der Regel zwischen 12 und 48 Stunden dauert. Die Hefen und Milchsäurebakterien verwandeln dabei einen Teil der Kohlenhydrate in Milchsäure, Alkohol und Kohlensäure.
Das Resultat ist ein mild-säuerliches, leicht prickelndes Getränk, das geschmacklich an Malzbier erinnert, dabei aber weniger süß und subtiler ist. Der natürliche Alkoholgehalt liegt meist unter 1 bis 2 Prozent – häufig sogar noch niedriger.
Tradition und Moderne: Kwass in Russland und darüber hinaus
In Russland sieht man nicht selten Kwass-Fässer in den Straßen, aus denen das Getränk direkt ins Glas gezapft wird. Besonders nach einem Besuch in der Banja – der traditionellen russischen Sauna – gehört ein gekühlter Kwass zum Ritual. Die leichte Süße, die erfrischende Säure und die perlende Kohlensäure machen Kwass zum perfekten Durstlöscher nach dem Schwitzen.
Doch nicht nur in Russland, sondern in vielen osteuropäischen Ländern – etwa der Ukraine, Litauen oder Polen – ist Kwass ein fester Bestandteil der Esskultur. In den letzten Jahren erlebt das Getränk sogar in deutschen Großstädten ein kleines Comeback, ganz gleich ob als trendiges Probiergetränk auf Food Festivals oder als belebendes Sommergetränk im Bio-Supermarkt.
Kwass und seine gesundheitlichen Vorzüge
Abgesehen vom erfrischenden Geschmack wird Kwass in Osteuropa schon lange als gesundheitsfördernd geschätzt. Das liegt vor allem an den probiotischen Milchsäurebakterien, die im Getränk entstehen. Diese können dazu beitragen, die Verdauung zu unterstützen und das Mikrobiom im Darm zu stärken. Außerdem enthält Kwass verschiedene Vitamine, darunter das wichtige Vitamin B12, sowie Mineralstoffe wie Kalium oder Magnesium.
Doch Kwass kann noch mehr: Er wirkt antibakteriell, regt den Stoffwechsel an und liefert Energie – ganz ohne die zuckrigen Kalorienbomben moderner Softdrinks. Gerade an heißen Tagen ist eiskalter Kwass nicht nur eine köstliche, sondern auch eine gesunde Alternative zu Limonaden oder alkoholischen Mischgetränken.
Selbst gemacht: Kwass als Hausgetränk
Immer mehr Menschen entdecken heute wieder die Kunst des Fermentierens – nicht nur wegen des Geschmacks, sondern auch wegen des gesundheitlichen Nutzens. Ein selbstgemachter Kwass ist vergleichsweise einfach herzustellen. Alles, was man braucht, sind ein paar Scheiben Roggenbrot, Wasser, Zucker und Hefe. Wer möchte, kann zusätzliche Aromen wie Rosinen, Minze oder getrocknete Früchte hinzufügen. Nach der Fermentation kann der Kwass abgegossen und gekühlt genossen werden. Eine Spezialität, die nicht nur Liebhaber der osteuropäischen Küche begeistert!
Kwass verbindet auf einzigartige Weise Tradition, Genuss und Gesundheit. Vom russischen Dorf bis zum hippen Stadtviertel wird das Brotgetränk wiederentdeckt – als erfrischende und natürliche Bereicherung für den Alltag. Wer nach einer leichten, prickelnden Alternative zu konventionellen Getränken sucht, sollte unbedingt ein Glas Kwass probieren und sich von Geschichte, Handwerk und Geschmack überzeugen lassen.
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