
Wer träumt nicht davon, ein einziges Mal im Leben vom Olymp der Kulinarik herabzublicken und zumindest so zu tun, als hätte man jemals mehr gekocht als Dosensuppe mit optionalem Basilikumblatt als Deko? Genau für diese Fälle – und natürlich für alle, die sich nach neuen Sozialdramen jenseits des Berufslebens sehnen – gibt es inzwischen die wundervolle Erfindung der Koch-Events mit Sterneköchen. Ein Abenteuer, bei dem das Küchenchaos zum guten Ton gehört.
Der Mythos „Lernen von den Besten“
Wer auf die Marketingversprechen dieser Events hereinfällt, glaubt wahrscheinlich auch, dass man durch bloßes Stehen neben einem Formel-1-Fahrer zur Rennlegende mutiert. Nein, hier wird wirklich gekocht! Der Unterschied: Mit dabei ein wahres Küchenwunder in Form eines mit Michelin-Sternen behangenen Kochs, ab jetzt das Maß aller Küchenfantasien. Und als wäre das nicht einschüchternd genug, wird natürlich alles zertifiziert von mindestens zehn neugierigen Teilnehmern, die schon beim Brotwürfeln mit der Präzision Schweizer Uhrwerke glänzen wollen.
Scharfe Messer und großer Auftritt
Interessant ist, wie sich beim Betreten der Edel-Küche das Publikum splittet: Hier die Hobby-Kochposer mit High-End-Kochjacke, dort die „Ich ess’ eigentlich nur, hier ist mein Thermomix?“-Fraktion. Der Küchenchef betritt den Raum, und mit ihm eine Aura, bei der sogar Angelschnitte Pulled Pork werden. Fortan ist Konzentration gefragt, denn man will ja nicht als derjenige in die Geschichte eingehen, der sich beim Zwiebelschneiden als Erster die halbe Hand rempelt – immerhin gäbe das ein unschönes Motiv fürs nächste Instagram-Foto.
Kulinarische Offenbarung oder sozialer Survival-Parcours?
Während die einen eifrig Notizen machen, HACCP-Belehrung auswendig können und die Sauce béarnaise als Lebensziel anstreben, hängen die anderen an jedem Wort des Chefs, als handele es sich um das neue Grundgesetz. Kein Wunder, bei Sprüchen wie „Hier bitte die Zeste millimeterdünn abziehen“ wähnt man sich zwischen Kunstkurs und Radiergummi-Testlabor. Und spätestens beim ersten Fettbrand auf dem Induktionsfeld entbrennt eine Gruppendynamik, die jeder Episode eines Survival-Reality-Formats Konkurrenz macht.
Vom Missgeschick zur Meisterleistung: Die wahre Magie
Natürlich lauert der wahre Genuss selten im perfekten Filetieren, sondern in den kleinen Dramen: Hier die flambierte Mousse, die sich selbst entzündet, dort der trotzig verklebte Raviolirand. Der Sternekoch bleibt stoisch und zeigt, dass auch Missgeschicke zum kreativen Prozess gehören – ein Trost für all jene, deren Grid voller Krumen statt Krönchen ist.
Sterne über dem Herd und fürs Ego
Mit dem Auftragen der Eigenkreationen kommt der Moment des Triumphes. Denn endlich darf jeder die Früchte seines – oft nicht ganz freiwilligen – Teamworks kosten und feststellen: So schlecht, wie gedacht, läuft es doch nicht. Gerüchteweise wurden Teilnehmer bereits mit kulinarischen Erleuchtungen nach Hause geschickt, auch wenn die Hauptausbeute wohl aus prahltauglichen Storys für Meetings und Grillabende besteht.
Was bleibt vom Koch-Event mit Sterneköchen?
Sind die Koch-Events gekonntes Entertainment oder längst das neue Golf für solvente Networking-Willige? Vielleicht beides. Sicher ist nur: Wer hier einmal einen Löffel führt, weiß immerhin, wie es ist, mit anderen Maßstäben zu messen – nicht nur bei der Qualität der Jus, sondern auch unter den Blicken der Mitstreiter.
Die Aussicht auf neue Küchenabenteuer lockt also nicht nur Genussmenschen, sondern auch alle, die sonst einfach gerne mal einen anderen Herd kennenlernen wollen, als den im eigenen Single-Haushalt. So wird der Event fast schon zur Bühne für all jene, die immer wieder gerne beweisen, dass sie mehr können als Wasser anbrennen lassen – zumindest, solange der Sternekoch in Sichtweite bleibt.
Ob sich der fein gestimmte Gaumen und das gesteigerte Selbstbewusstsein am Ende auszahlen, sei dahin gestellt. Eines aber ist sicher: Nach einem Koch-Event mit Sternekoch betrachtet man das Menü im Nachbarschaftsrestaurant mit ganz neuen (und deutlich spöttischeren) Augen.
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