Luxus, Lagerverkauf und das Elend mit den Edelmarken: Wie viel ist eigentlich genug?

Luxus, Lagerverkauf und das Elend mit den Edelmarken: Wie viel ist eigentlich genug?

Wer kennt es nicht: Man schlendert gemütlich durch die Innenstadt und sieht im Schaufenster einen Mantel, der offensichtlich mehr kostet als der gesamte Wochenlohn der Verkäuferin im Laden. Und während man so in den eigenen Tchibo-Jackenärmeln pulsiert, stellt sich die ewige Frage – wie viel Luxus braucht der Mensch wirklich?

Luxus oder Lebenssinn – Hauptsache Logo!

In Zeiten, in denen ein bescheidener Lebenswandel anscheinend erstrebenswert ist – zumindest bei anderen – explodieren die Umsätze der Luxusgüterindustrie. Paradoxerweise ist das Bedürfnis, sich mit Edelmarken zu umgeben, bei vielen proportional zu sinkenden Zinsen auf dem Sparkonto. Warum sparen, wenn man sich mit dem neuesten Hermès-Seidenschal die bitteren Nachrichten schönschlingen kann?

Luxus, das klingt nicht nur nach dekadentem Champagnerfrühstück, sondern auch nach sozialem Aufstieg, einem leichten Platin-Schimmer im Alltag. Die wahre Frage lautet aber: Macht ein goldener Reißverschluss am Hoodie den Alltag wirklich glänzender? Oder ist es vielmehr das unvergleichliche Gefühl, von Menschen bestaunt zu werden, die nur vom Hörensagen wissen, was ein „It-Bag“ ist?

Wo shoppt man Edelmarken – und warum?

Das moderne Luxus-Problem hat drei Buchstaben: O-U-T-L-E-T. Jene abgeschotteten Dörfer mit künstlichem Dorfbrunnen, in denen sich Massen zum „erschwinglichen“ Luxus drängeln, sind so glamourös wie ein vierzehnstündiger Fernbus nach Paris. Klar, hier gibt es den letzten Saisonrest für einen immer noch obszönen Preis – aber wenigstens hat man’s im Original. Und nichts schmeichelt der eigenen Exklusivität mehr als ein schlaff heruntergereihter Wickelrock mit einigen Jahren Modepatina.

Doch was ist mit Online-Shopping? Hier gewinnt der nervöse Zeigefinger! Kaum hat Zalando wieder einen „Private Sale“, schon rasseln die Kreditkartenlimits. Die Versuchung, spätestens am Black Friday eine lebensnotwendige Lagerfeld-Tasche aus dem Warenkorb zu retten, ist durchaus real. Wer es wirklich ernst meint, der besucht gleich Online-Plattformen, auf denen Second-Hand-Luxus als nachhaltiger Lifestyle verkauft wird. Schließlich kann man gar nicht früh genug damit anfangen, den Lebenslauf durch „Vintage-Investments“ aufzuwerten.

Das goldene Kalb trägt jetzt Prada

Aber zurück zur eingangs gestellten Frage, wo man Edelmarken am besten shoppt. Da gibt es natürlich noch den traditionsreichen Weg: das Flanieren auf der Maximilianstraße in München, der Kö in Düsseldorf oder – wenn’s sein muss – auf dem Kurfürstendamm in Berlin. Hier trifft man nicht nur auf allerlei Diven und Altherren mit Hund und Hummer, sondern auch auf Verkäufer*innen, die bereits an deinem Outfit erraten können, ob du dir diesen Besuch wirklich leisten kannst oder bloß den Instagram-Feed aufbessern möchtest.

Natürlich kauft die Generation Z jetzt lieber digital ein und Instagram macht es möglich, von Bali bis Buxtehude auf Luxus zu schielen. Influencer bieten regelmäßig Codes für Rabatte auf sündhaft teure Sonnenbrillen an – damit Sie auch ganz sicher erkennen können, welche Marke gerade auf Ihrer Nase thront.

Wieviel ist eigentlich genug?

Luxus hängt, um es ehrlich zu sagen, nicht von der Anzahl erbeuteter Designertaschen ab, sondern von der Fähigkeit, im Nobelrestaurant den Kellner mit dem perfekten Lächeln zu ignorieren (weil man sich für etwas Besseres hält). Oder daran, mit einer drei Kilo schweren Statement-Kette im Nacken gestärkt durch das Leben zu gehen – zumindest bis die erste Physiotherapie fällig ist. Luxus bedeutet in Wahrheit: sich genug zu fühlen. Leider ist das für viele so schwer wie die Frage nach dem Sinn des Lebens.

Die Antwort für die Unersättlichen: Es gibt nicht genug. Schon nächste Saison braucht man das neue Logo, den neuen Schnitt, den neuen Hauch von Exklusivität. Schließlich sieht der Nachbar schrecklich zufrieden aus, und dagegen muss man dringend etwas tun.

Letzten Endes ist wahrer Luxus vielleicht doch die Erkenntnis, einmal nicht das Begehrteste, Luxuriöseste oder Teuerste zu wollen. Aber dann wäre das Leben ja viel zu langweilig – und wer will das schon?

   

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