Kopfgeldjäger in den USA

Kopfgeldjäger in den USA
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Es ist ein Beruf, den wir hier in Deutschland oder wahrscheinlich in Europa gar nicht kennen und der auch aufgrund unseres Rechts- und Justizsystems nicht möglich ist, auszüben. Wieso das so ist und was ein Kopfgeldjäger in den USA so zu tun hat, wo der Beruf herkommt und viele weitere Infos hier.

Der Beruf des Kopfgeldjägers besteht darin, dass er gesuchte Personen findet und gegen eine Belohnung, also ein “Kopfgeld” an spezielle Institutionen übergibt. In den USA ist diese Tätigkeit nicht nur weit verbreitet, sondern spielt auch eine große Rolle wegen des US-amerikanischen Rechtssystems. Wegen dem dortigen Kautionssystem erfüllt der Kopfgeldjäger eine wichtige Rolle. Von Bundesstaat zu Bundesstaat variieren die Gesetzt ein wenig. Kommerzielle Kopfgeldjäger sind in vier Bundesstaaten verboten. Diese sind: Oregon, Wisconsin, Kentucky und Illinois.

Ein wenig in den Beruf des Kopfgeldjägers reinspickeln konnten deutsche TV-Zuschauer durch die 80er-Jahre-Serien “Ein Colt für alle Fälle” mit Lee Majors und in den 90er Jahren durch die Serie Renegade mit Lorenzo Lamas in der Hauptrolle.

Geschichtlicher Hintergrund: Die Geschichte zeigt, dass der Begriff des Kopfgeldjägers sich nicht einteilen lässt in gut oder böse. Auch wird zwischen legalem und illegalem Handeln nicht unterschieden. Unter dem Kopfgeldjäger versteht man im Allgemeinen eine Person, die gegen eine Bezahlung oder Belohnung für den Staat oder auch für private Auftraggeber gesuchte Menschen aufspürt und sie dann abliefert oder den Beweis ihres Todes vorbringt. In Regionen wie dem Wilden Westen, also Regionen, die sehr weitläufig sind, wurden Kopfgeldjäger vermehrt und gerne eingesetzt. Das lag an der geografischen Lage und der geografischen Verhältnisse, die eine normale und auch effektive staatliche Verfolgung erschwert hatte. Auch private Auftraggeber oder auch private Wirtschaftsunternehmen, wie Postkutschen-Unternehmen und auch die Eisenbahn, setzten Belohnungen aus für das Finden, Ergreifen und Ausliefern eines Tatverdächtigen.

Kopfgeldjäger heute und das Kautionssystem 

Das Vorhandensein von Kopfgeldjägern in den USA ist eng mit dem dort existierenden Kautionssystem verbunden. Anders als in Deutschland kann dort ein Angeklagter eine Kaution bezahlen, damit er die Wartezeit bis zur eigentlichen Verhandlung nicht im Gefängnis muss. Die Summe ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Um die Kaution zu bezahlen kann sich der Tatverdächtige diese von einem Kautionsbüro leihen. Allerdings fällt hierbei auch eine Gebühr an. Zudem muss der Tatverdächtige die Kaution zusätzlich durch ein Auto, ein Grundstück oder Wertpapiere absichern. Wenn die Kaution bezahlt ist und auch abgesichert ist, kann der Tatverdächtige seine Zeit außerhalb der Gefängniszellen in Freiheit verbringen, bis seine Verhandlung beginnt. Das Gestatten der Kaution steht aber nicht jedem Tatverdächtigen zu und muss immer von Fall zu Fall geprüft und gewährt werden. Wer die Kaution nicht bezahlen oder aufbringen kann, der muss im Gefängnis bleiben. Wenn man die Kaution allerdings aufbringen kann, ist man zunächst auf freiem Fuss. Aber man muss dann zur anschließenden Verhandlung auftauchen. Wenn der Angeklagte dann nicht bei der Verhandlung auftaucht und dann auch einen gewissen Zeitraum danach nicht gefangen wird, bekommt das Kautionsbüro das Geld für die Kaution nicht zurückerstattet. In Kalifornien liegen der Zeitraum bei sechs Monaten. Kein Wunder also, dass der Kautionsagent diese Personen dringend finden will. Das versucht er entweder alleine oder kann dafür eben einen Kopfgeldjäger oder einen bounty hunter, wie diese umgangssprachlich auch genannt werden, engagieren. Da es in Deutschland ein solches Kautionsgesetz nicht gibt, gibt es in Deutschland auch keine Kopfgeldjäger.

Kopfgeldjäger und Rechte: Kopfgeldjäger haben das Recht die gesuchten Personen zu verfolgen und sie zum Kautionsagenten zu bringen. Das geht auf ein Urteil aus dem Jahre 1873 durch den US Supreme Court zurück. Des Weiteren ist der geschlossene und dann nicht erfüllte Vertrag zwischen dem Kautionsagenten und dem Flüchtling, der diesen Vertrage geschlossen und unterschrieben hat, eine weitere Rechtsgrundlage, die Kopfgeldjägern die Verfolgung und  Auslieferung der Flüchtenden erlaubt.

Aus staatlicher Sicht heraus, wird ein Flüchtling nur zur Fahndung ausgeschrieben. Und das ohne, dass gleich weitere Maßnahmen eingeleitet werden. Laut Schätzungen gibt es in den USA etwa 15.000 Kautionsbüros. Etwa 31.500 Personen erscheinen nicht zu ihrem Gerichtstermin und werden anschließend gesucht bzw. zur Fahndung ausgeschrieben. Kopfgeldjäger selbst behaupten davon 90% zu schnappen und sie den jeweiligen Stellen zu übergeben.

Weitere Rechte für die Ergreifung eines Flüchtenden

Der Kopfgeldjäger darf weiter auch Flüchtlinge über Grenzen hinaus in andere Bundesstaaten verfolgen und diese von dort aus wieder in das Bundesland bringen, wo das Kautionsbüro ist. Dies gilt nicht als Entführung, wie viel Tatverdächtige oftmals vermuten. Zudem erkennen viele Länder die vorgelegten Haftbefehle der Kopfgeldjäger mittlerweile an und liefern die Flüchtenden an die Vereinigten Staaten aus.

Zudem ist es dem Kopfgeldjäger auch erlaubt sich als eine andere Person auszugeben und er darf sich in vielen Bundesstaaten auch Zugang zu vielen Gebäuden verschaffen und notfalls kann er auch Gewalt anwenden, um einen Flüchtigen festzunehmen. Für entstandene Schäden muss der Kopfgeldjäger allerdings selbst aufkommen. Das Klischee des gewaltbereiten und demolierenden Kopfgeldjäger kann somit nicht untermauert werden. Für die Ergreifung bekommt er meist eine Vergütung von knapp 15 Prozent der Kautionssumme.

Kopfgeldjäger in den USA
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