Drink mit Aussicht: Die besten Bars für den gepflegten Eskapismus

Drink mit Aussicht: Die besten Bars für den gepflegten Eskapismus

Zwischen digitalem Dauerrauschen und der existenziellen Frage, ob Gin Tonic wirklich noch „in“ ist, bleibt dem modernen Flaneur von Welt doch eines: Die Jagd nach dem perfekten Drink in Bars, die mehr versprechen als schnöden Alkoholrausch. Wer will schon an der Ecke einen lauwarmen Mojito trinken, wenn es irgendwo einen Negroni in 200 Meter Höhe gibt? Willkommen zu einer dekadenten Reise auf den Barstühlen der Weltmetropolen – exklusive Hotspots, versteckte Perlen und ein bisschen Cocktail-Aristokratie für den Mann, der glaubt, schon alles zu kennen.

Der Olymp der Cocktails: Skybars mit Aussicht zum Abheben

Natürlich kann man seinen Martini auf dem Balkon trinken. Aber das ist ungefähr so aufregend wie ein Fensterplatz im Wartezimmer. Richtig stilvoll hebt man ab in der Sky Bar im Lebua State Tower, Bangkok. Hier schwebt man nicht nur über der Stadt, sondern auch über dem Alltagsgrau. Gäste chillen unter freiem Himmel, trinken den obligatorischen „Hangovertini“ (natürlich nach dem Film benannt, ach wie charmant!) und betrachten die Lichter der Stadt – Beleuchtung, die jeden Instagram-Filter beleidigt. Wer es lieber luxuriös mag, bestellt den „Millionaire Mojito“ und fragt sich, ob der Blick auf den Chao Phraya oder der Preis des Cocktails exklusiver ist.

Historische Hotelbars: Geschichte im Glas

Sollte Ihr Sinn für Nostalgie mit Ihrem Durst mithalten, empfiehlt sich ein Besuch in der American Bar im Londoner Savoy Hotel. Seit über hundert Jahren bedienen sich hier Mythen und Möchtegern-Aristokraten gleichermaßen. Holzvertäfelte Gemütlichkeit trifft auf Barkeeper, die alt genug wirken, um Hemingway noch persönlich den zweiten „White Lady“ serviert zu haben. Die Cocktailkarte: ein Streifzug durch die Geschichte, der beweist, dass Exklusivität und Zeitlosigkeit sich manchmal doch im selben Glas treffen.

Versteckte Oasen: Der Charme der Geheimtüren

Was bringt die coolste Bar, wenn jeder Hinz und Kunz sie findet? Die Little Red Door in Paris ist das Gegenteil von Mainstream: Eine unscheinbare Eingangstür im noblen Marais-Viertel schützt das kreative Epizentrum der Pariser Barszene. Drinnen: Bartender mit Alchemisten-Komplex, Drinks im Keramikkelch und eine Atmosphäre irgendwo zwischen surrealistischer Salonrunde und exklusivem Szene-Geheimnis. Die Getränkekarte liest sich wie ein Roman – und manches Glas erzählt tatsächlich eine Geschichte. Zugänglich nur für diejenigen, die wissen, dass Exklusivität einen Preis hat: und zwar den, gesucht werden zu wollen.

Speakeasys der Moderne: Wo Retro nicht alt, sondern angesagt ist

Warum sich mit gewöhnlichen Bars zufrieden geben, wenn es PDT (Please Don’t Tell) in New York gibt? Wer glaubt, Getränke werden hier im Glas serviert, hat sich geschnitten: Zuerst muss man durch eine Telefonzelle in einen verborgenen Raum schlüpfen. Drinnen wartet kein alltäglicher Drink, sondern Mixkunst auf höchstem Niveau. Die Getränkekarte experimentiert gerne mit Infusionen und lokalen Spirituosen. Kurz: Wer hier landet, darf sich zurecht als Connaisseur fühlen – und zumindest für einen Abend an die Illusion der Geheimhaltung glauben.

Design-Ikonen am Tresen: Wenn das Interieur den Geschmack vorgibt

Manche Bars sind so stylish, dass die Drinks glatt zur Nebensache geraten. Willkommen in der Atlas Bar in Singapur, einer Kathedrale des Art déco im Herzen des Stadtstaats. Hier fühlt sich jeder Drink wie eine Zeitreise in die 1920er an – und wer angesichts der meterhohen Gin-Bibliothek das Gefühl hat, bereits leicht beschwipst zu sein, irrt sich nicht: das Design berauscht ganz ohne Alkohol. Die Barkeeper servieren Gin&Tonic in Varianten, die vermutlich selbst Queen Victoria längst vergessen hätte. Ein Erlebnis für alle Sinne – und für alle, die ihr Interieur lieber mit dem Drink als im Möbelhaus bewundern.

Rooftop-Träume: Bars, die dem Himmel näher sind

Was wäre die urbane Nacht ohne Rooftop-Bars, in denen sich das Gefühl von Erhabenheit und leiser Dekadenz verbindet? Die Radio Rooftop Bar in London zum Beispiel thront über den Dächern der britischen Hauptstadt und überrascht nicht nur mit einer Aussicht, die selbst den Londonern schmeichelt. Hier sind die Drinks kreativ, etwa der „Big Ben Smash“ mit Gin und Thymian – bestens geeignet, um dem grauen Himmel stilvoll zu spotten. Wer Glück hat, trifft auf eine Prominenz, die sich hinter ihren Sonnenbrillen versteckt und dabei so tut, als sei Schickimicki hier die Währung der Nacht.

Am Ende bleibt die Erkenntnis: Exklusive Bars sind mehr als bloße Kulisse für den abendlichen Zeitvertreib. Sie sind Bühnen der Sehnsucht, Denkmäler der Exzesse und Parodien der eigenen Bedeutungsschwere zugleich. Es ist das Ritual, das zählt – ein Glas, das mehr verspricht als den Inhalt, ein Ort, an dem jeder Drink eine kleine Rebellion gegen Mittelmaß und Monotonie ist. Also: Wer sich nach einer urbanen Eskapade im Zeichen des guten Geschmacks sehnt, findet wohl keinen besseren Vorwand, den eigenen Horizont um einige atemberaubende Aussichten und exquisite Cocktails zu erweitern. Schließlich muss man ja irgendwoher wissen, wie Exklusivität heute schmeckt – und sei es nur, um anderen davon zu erzählen.

   

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